störsender an der schule?

störsender bei matura – salzburger schuldirektor angezeigt

die nachricht gestern hat mich amüsiert – die kommentare zum artikel heute haben mich entsetzt. bin ich tatsächlich die einzige, die erstens das vorgehen des direktors für nicht korrekt hält und zweitens die aufregung über die schummelversuche als vollkommen deplatziert empfindet?

wer darauf besteht sinnlose faktenansammlungen abzuprüfen, fordert es doch geradezu heraus hintergangen zu werden. reine wissensabfragen sind (vor allem bei abschlussprüfungen wie z.b. die matura) nicht mehr zeitgemäß. bei einer „reifeprüfung“ sollten höherwertige denkprozesse gefordert werden – informationen gewichten, sachverhalten analysieren, problemstellungen lösen …

andere europäische länder erlauben daher bereits den einsatz neuer medien inkl. internetnutzung während der abschließenden prüfungen. steen lassen vom dänischen bildungsministerium meinte dazu: „Es wird Zeit, dass die Realität Einzug hält in den Prüfungsalltag.“

schön, wenn schule so funktioniert wie das leben außerhalb.

man kann aber auch störsender aufstellen. um die lästige realität von der schule weiterhin fernzuhalten.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Antworten zu störsender an der schule?

  1. Herr Rau schreibt:

    Ich halte das Vorgehen des Direktors auch für nicht korrekt und sogar für falsch. Und nunnötig. Aber wenigstens für mutig: mutige Direktoren kenne ich zu wenige. (Oder war er nur dumm? Klingt laut Zeitungsbericht nicht so.)
    Und ich bin für Internet in Prüfungen, gefühlsmäßig, obwohl ich über die Implikationen nicht genug nachgedacht habe. Zitierpflicht etc. Ich kenne aber als einziges Land Dänemark, das das angekündigt hat, und weiß noch nichts von deren Erfahrungen.

    Nur: „schön, wenn schule so funktioniert wie das leben außerhalb“ ist für mich kein Argument. Schule funktioniert nie so wie das Leben außerhalb, und wir sind in vielen Punkten pädagogisch und rechtlich verpflichtet dazu, dass Schule nicht so funktioniert.

    • misswirtschaft schreibt:

      zumindest scheinen die ersten erfahrungen in dänemark positiv genug gewesen zu sein, den versuch auf das ganze land und neue fächer auszuweiten: http://www.sueddeutsche.de/karriere/online-im-unterricht-abi-mit-google-1.140530
      ich kenne nur einige schulen/lehrpersonen/schülerInnen in dänemark und schweden – meine diskussionen sind also sicher nicht repräsentativ … dennoch konnte ich dort keine dermaßen ausgeprägte „schummelkultur“ finden, wie sie bei uns vorherrscht. das hat natürlich nicht nur mit neuen medien zu tun. sondern auch viel mit schulkultur, gegenseitigem vertrauen, gesellschaftlicher auseinandersetzung zum thema bildung & schule … und in diesem zusammenhang eben doch mit dem leben außerhalb.

    • meinemeinung schreibt:

      Stimme dem letzten Punkt vollkommen zu. Im richtigen Leben haben Fehler immer Konsequenzen. Im einfachsten Fall muss man vielleicht die ganze Arbeit nocheinmal machen, im mittelschlimmen Fall kosten sie einem vielleicht den Job, im schlimmsten Fall kosten sie Menschenleben. Das ist, zum Glück für alle beteiligten, in der Schule anders.

      Natürlich wäre es sinnvoll nicht auswendig gelerntes Faktenwissen abzuprüfen, sondern Verständnis und Zusammenhänge, Problemlösekompetenzen und ähnliches. Das ist in den meisten Fächern wohl auch möglich, wenn man den Unterricht derart gestaltet dass solche Fähigkeiten gefördert werden. In anderen, wie dem Beispiel Latein aus dem Artikel kann ich mir das aber schwer vorstellen. Schließlich wird hier nicht der aktive sondern nur der passive Sprachgebrauch gelehrt.

      Das Internet in seiner Gesamtheit ist meiner Meinung nach außerdem zu mächtig und zu umfangreich um es als Prüfungsmittel zuzulassen. Es wäre sinnvoller, alle möglichen Offlinequellen (auch digital – USB-Stick) zu erlauben, oder den Internetzugang auf gewisse Seiten zu beschränken. Vor allem sollte die Kommunikation mit anderen unterbunden sein, denn wenn man nicht einmal weiß ob die Antworten der Prüflinge Eigenleistungen sind oder von netten Geschwistern oder Freunden zur Verfügung gestellt wurden, kann man die Matura gleich abschaffen.

  2. martina schreibt:

    Das Problem ist eher, dass ein Großteil der Lehrkräfte nicht mit dem Medium Internet aufgewachsen ist und daher auch nicht gelernt hat, Prüfungsfragen einfach „anders“ zu stellen.
    Wenn Schule nicht so funktionieren soll, wie das Leben draußen, wie dann? Schule SOLLTE aber so funktionieren, wie das Leben draußen. Wir bereiten unsere SchülerInnen doch auf das Leben draußen vor, Schule ist doch kein Kloster!

    • Herr Rau schreibt:

      Mit Verlaub, Schule sollte und kann eben gerade nicht so funktionieren wie das Leben draußen. Schule ist zwar kein Kloster, aber sicher ein geschützter Bereich. Schule ist immer nur Simulation.
      Jürgen Baumert: „Schule vermittelt grundsätzlich stellvertretende Erfahrungen, die dennoch – sollen Lern- und Bildungsprozesse erfolgreich verlaufen -, als persönlich und authentisch wahrgenommen werden müssen. Der stellvertretende Charakter von schulischen Erfahrungen wird besonders dann deutlich, wenn die Schule sich bemüht, direkte Erfahrungen, etwa in Form von Projekten oder Gemeindearbeit, in ihr Programm zu integrieren. Jedem Schüler ist über kurz oder lang klar, dass hier nicht „wirkliches“ Leben stattfindet, sondern pädagogische Ziele verfolgt werden – und seien sie so allgemein wie das Ziel, Lernen zu lernen. Wenn diese Unterscheidung aufgegeben und Schule zur Lebensgemeinschaft wird, nähert sie sich einer (im Sinne des Soziologen Erving Goffman) totalen Institution.“ (Im Kontext: http://norberto68.wordpress.com/2011/05/29/baumert-was-ist-schule/)
      Und das hat sehr wenig damit zu tun, ob ein Großteil der Lehrkräfte mit dem Internet aufgewachsen ist oder nicht. Open Book exams gab es auch schon vorher, oder schon vorher nicht.

  3. martina schreibt:

    Beispiel: Ein Englischlehrer oder eine Englischlehrerin sollte mit Schüler/innen in ein englischsprachiges Land fahren oder native Speaker in die Klasse holen (das meine ich mit dem „Leben draußen“.) Eine „Simulation“ der englischen Sprache in der Klasse, noch dazu durch einen „Nicht-Native-Speaker“ kann niemals zu guten Ergebnissen führen, sondern, wie Sie sagen, lediglich eine „stellvertretende Erfahrung“ sein.
    Das möchte ich als Lehrende aber nicht, sondern ich möchte lieber Coach sein und Kinder in Kooperation mit dem wirklichen Leben draußen lernen lassen. (Das lässt sich übrigens auf alle Fächer übertragen.)
    Aus welchem Grund sollte Schule lediglich „stellvertretende Erfahrungen“ vermitteln, wenn man doch gleich auch die direkten praktischen Erfahrungen machen kann? (In Zeiten von Internet kann man übrigens das wirkliche Leben auch ganz gut in die Schule „hereinholen“, wie man es davor so nicht konnte!) Auch Projekte sollten doch immer auch Kooperationen mit der Praxis draußen sein.
    Und … gerade weil es SchülerInnen oft klar ist, dass in der Schule nicht das wirkliche Leben stattfindet, ist Schule für sie so uninteressant. Je mehr sich aber Schule nach außen öffnet, desto praxisbezogener, lebensnaher und interessanter wird sie für SchülerInnen. Nur so wird ihnen auch das Ziel, auf das sie zusteuern, klarer sein.
    Was Prüfungen betrifft, gehe ich mit der Schreiberin dieses Blogs absolut konform und bin außerdem der Meinung, dass die meisten Lehrenden immer noch Wissen abfragen, anstatt die Fragen so zu stellen, dass Kreativität und Denken der SchülerInnen gefragt ist.

  4. Herr Rau schreibt:

    Natürlich lernt man Sprachen am besten in der Praxis. Ich bin bei der Umsetzbarkeit des Englischlernenes durch Auslandfahrten skeptisch.
    Schule ist immer Simulation. Sonst ist es: eine Lehre bei einem Meister machen. Nimm statt Stellvertretung oder Simulation das synonyme Wort Spiel oder spielerisch: An Schulen soll man nicht spielen dürfen? Soll man nur Vorstellungsgespräche führen, die tatsächlich über eine Anstellung entscheiden?

    „bin außerdem der Meinung, dass die meisten Lehrenden immer noch Wissen abfragen, anstatt die Fragen so zu stellen, dass Kreativität und Denken der SchülerInnen gefragt ist“
    Ich finde es gerade bei meinen Fächern Deutsch und Englisch schwierig, und bei Informatik auch, nur Wissen abzuprüfen. Da sollen – selbst bei phantsieloseren Lehrern, die es durchaus gibt – die Schüler immer etwas tun, also einen Text produzieren (oder einen Entwurf bzw. ein Programm). Wissenabfrage ist bei diesen Fächern wirklich schwierig. In Deutsch gibt es ein bisschen Literaturgeschichte, aber auch die fragt man im Bezug auf einen Text ab, in Englisch soll man keine Vokabelgleichungen lernen, und abgeprüft werden die auch nicht so.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s