vorspiegelung falscher tatsachen …

auch genannt: tag der offenen tür.
nennt mich naiv: aber ich dachte ursprünglich tatsächlich, der tag der offenen tür sei dafür da, zukünftigen schülerInnen und deren eltern ein möglichst authentisches bild der besuchten schule zu vermitteln. von wegen. was an diesem tag abläuft, hat gar nichts mit dem schulalltag zu tun. beweise gefällig?

• spannenderweise gibt es am tag der offenen tür keinen einzigen klassenraum an der schule, in dem die tische NICHT umgestellt werden. um genau zu sein, ist das sogar die erste maßnahme.
• gleich danach werden die räume mit „unterrichts“materialien geschmückt. o-ton einer kollegin: die spanisch-flagge brauche ich sonst das ganze jahr über nicht.
• der kaputte oh-projektor verschwindet im schrank. außenstehende würden sich wundern, wie viel material & technische ausstattung aus privatbesitz (ob von schülerInnen oder lehrpersonen) an diesem tag seinen einsatz in den klassenzimmern findet.
• projekte. fächerübergreifend. klassenübergreifend. praxisbezogen. ich wünschte ehrlich, die möglichkeit dafür gäbe es auch den rest des jahres …

meine empfehlung an alle interessierten eltern und schülerInnen lautet: wenn ihr eine schule von ihrer wahren seite her kennenlernen wollt, seid einfach 1-2 stunden VOR dem offiziellen beginn dort.
• weil die klassenräume dann noch so aussehen, wie sie immer aussehen: schmucklos. unaufgeräumt. mit der üblichen technische ausrüstung.
• weil man vielleicht das glück hat, noch „echte“ schule zu sehen. mit unterricht, wie er in 98% der schulzeit stattfindet.
• weil besuch „von außerhalb“ zu dieser zeit noch so behandelt wird, wie üblich.
• weil dann der höchste stresspegel an der schule herrscht. der jetzt gebräuchliche umgangston sagt euch mehr über die praktizierte schulkultur, als man aus jedem noch so authentisch formulierten leitbild herauslesen könnte.

1 „tag der offenen tür“ pro jahr. und an den restlichen tagen? geschlossene türen. kontakt zur außenwelt unerwünscht. DAS ist schulalltag.

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6 Antworten zu vorspiegelung falscher tatsachen …

  1. Herr Rau schreibt:

    Bei uns hat mal ein Schüler am Tag der offenen Tür während einer Vorführstunde gefragt, ganz offen und voller freudigem Erstaunen: „Toll! Warum machen wir eigentlich sonst nie so etwas?“

  2. murmel schreibt:

    Hm, vielleicht weil’s Fachschule ist: bei uns ist das nur ein kleines bisschen so. Die meisten machen normalen Unterricht, bzw. gibt es Info-Runden für die Gäste.
    Meine Klasse hat mal als Lehrer die Gäste unterrichtet und ihnen den Inhalt beigebracht. Das machen sie aber auch „In echt“ regelmäßig untereinander.

    murmel

  3. Damian Duchamps schreibt:

    Ich kann das zum Teil von meiner Schule bestätigen. Auch bei uns wird eine Show aufgezogen. Wir zeigen, wie wir gerne sein würden, scheitern dann aber im Alltag immer wieder an unseren eigenen Ansprüchen und müssen uns dann Klagen der Eltern anhören. Das betrifft vor allem das vollmundig beworbene Angebot der Hausaufgabenbetreuung in meinem Fall. Die klappte bisher noch nie so, wie sie sollte.
    Als Hauptschule fragt man sich manchmal, warum man den Zirkus überhaupt noch mitmacht. Man bekommt ohnehin die, die man wo anders nicht haben möchte. Man macht dann aber mit, weil die anderen Schulen ihren Tag der offenen Tür haben und man nicht blöd dastehen will. Ein ganzer Teil der Schüler und Eltern, die sich hinterher anmelden, kommen ohnehin nicht zu unserem Tag der offenen Tür, und von denen, die kommen, entscheiden sich hinterher doch einige für die Realschule.
    Bin mal gespannt, wie viele Anmeldungen jetzt im Februar kommen, nach Aufhebung der verbindlichen Grundschulgutachten in NRW. Eine Klasse ist sicher, allerdings nur, weil es eine GU Klasse wird. Schwacher Trost.

    • misswirtschaft schreibt:

      ich glaube ja, dass die anmeldezahlen nicht unbedingt vom tag der offenen tür abhängen. der läuft bei uns seit zehn jahren beinahe identisch ab. damals hatten wir probleme, alle klassen zustande zu bringen. heute sind die klassen übervoll und wir müssen interessierte schülerInnen abweisen.

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