elternsprechtage …

… haben mich als junglehrerin jede menge nerven gekostet. daher war ich auch hervorragend vorbereitet: pro schülerIn exakte mitschriften über aktuellen leistungsstand, mitarbeit, verhalten. für „gefährdete“ schülerInnen genaue aufzeichnungen darüber, was sie nachholen müssen um das klassenziel zu erreichen. übungslisten und lerntipps inklusive. aufgrund meiner fächer (schularbeiten!) und der klassenvorstandstätigkeit warteten viele eltern ziemlich lange (kein anmeldesystem) um dann im 5-minuten-takt von mir mit informationen bombardiert zu werden. nach den insgesamt vier stunden dauerreden war ich stimmlos. und ausgebrannt. ich hab mich über die eltern geärgert, die trotz dringender einladung nicht bei mir waren. und gehofft, dass bei den anderen meine gutgemeinten hinweise auf fruchtbaren boden gefallen sind.

mit der zeit wird man älter & weiser. elternsprechtag heißt schließlich eltern-sprech-tag weil … genau. mittlerweile lasse ich die eltern zu wort kommen. und ich …

… höre zu:„wissen sie, ihre beste freundin ist gerade schwer erkrankt“ aha – kein wunder, dass die schülerin gerade kein interesse am kaufvertrag zeigt.

… beruhige: „stimmt es, dass „konrad“ in ihrem fach nur so wenig hausübungen hat?“ das kann bei sehr guten schülerInnen schon mal vorkommen. die brauchen keine zusätzliche übung. (oder bei sehr schlechten: die vergessen einfach gerne drauf.)

… staune: „in den letzten wochen hat „susi“ sich verstärkt auf die europameisterschaft im dressurreiten vorbereiten müssen, und so weniger zeit für die schule gehabt.“ interessant. so gut vorbereitet wie in den letzten stunden war „susi“ noch nie.

dem naiven leser mag es furchtbar erscheinen, dass ich solche wichtigen dinge von meinen schülerInnen nicht weiß. jede lehrperson weiß: es ist schlichtweg unmöglich, in der üblichen klassensituation an solche informationen zu kommen. elternsprechtage helfen mir, die prioritäten im leben wieder ins rechte licht zu rücken. die knieoperation und nachfolgende physiotherapie ist für „leo“ nun mal zentraler als irgendein kassabuch oder buchungssatz. nach elternsprechtagen gehe ich wieder richtig gerne in meine klassen – weil mir die gespräche helfen, meine schülerInnen wieder als individuen wahrzunehmen. apropos schülerInnen: die erhalten jetzt meine lerntipps & übungslisten ohne umwege und direkt. ich habe von schulen gehört, die genau für solche zwecke schülerInnensprechtage abhalten. das will ich auch. aber einen elternsprechtag werde ich dafür nicht mehr verschwenden.

 

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