weihnachtsgottesdienst

prinzipiell gefällt mir ja die idee, mit einer gemeinsamen feier in die ferien zu starten. fördert die gemeinschaft, (“ihr seid unterrichtsmüde? wir auch.”), zeigt achtung vor der bisher erbrachten leistung (“der großteil der schularbeiten/tests ist erledigt”), wirkt motivierend (“erholt euch gut! wir sehen uns in zwei wochen”).

wir starten mit einem gemeinsamen gottesdienst in die ferien. gut gemeint, ohne zweifel. engagiert vorbereitet, organisiert und durchgeführt von den diesmal zuständigen schülerinnen und lehrpersonen bzw. geistlichen.

die schülerinnen meiner klasse rutschen von beginn an nervös in ihren bänken herum. tratschen. tuscheln. lachen. flüstern. kauen kaugummi und ihre nägel. die frage nach 45 minuten: “frau professor? wann dürfen wir denn gehen?” zwingt mir den vergleich kirche/schule auf:

die sitzordnung. natürlich in ungemütlichen holzbänken, die auf irgendeine durchschnittsgröße zugetischlert wurden. die dann eigentlich für niemanden so richtig passt.

frontalbeschallung. vorne einer, der sagt, wo´s lang geht. alle anderen dürfen das gesagte bestätigen (“amen”) oder im chor nachmurmeln. mitdenken erlaubt, aber nicht zwingend notwendig.

der inhalt: nix neues, sondern altes wissen, das immer und immer wieder weitergegeben wird. mit- (oder gar weiter-) -denken nicht immer erwünscht.

immerhin ein massiver unterschied fällt während der restlichen minuten in der kirche auf: was für eine inspirierende (im wahrsten sinn des wortes) umgebung! sogar die decke ist mit schönsten bildern bemalt, überall kostbar verzierte statuen, der altarraum mit kerzen, tannengrün, blumen … stimmungsvoll geschmückt. in dem moment beneide ich meine kolleginnen, die religion unterrichten dürfen. ich kann nichtmal annähernd ähnliches bieten.

glauben zählt bei uns eben mehr als wissen.

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6 Antworten zu weihnachtsgottesdienst

  1. Ivo schreibt:

    Oh! Der letzte Satz ist der Satz, den man eigentlich dem ganzen Schulsystem auf die Stirn schreiben könnte. Für Wissen ist kaum noch Zeit da. Man muss dem Mathelehrer (mir) “glauben”, dass x-eins-zwei gleich minus-p-halbe plusminus Wurzel aus p-halbe-zum-quadrat minus q ist.

    Und natürlich Auswendiglernen.

  2. Herr Rau schreibt:

    Bei uns gibt es recht viele Gottesdienste (Anfang, Weihnachten, Ostern, Abitur, Ende), an einer anderen Schule gar keine mehr. Kommt auf Tradition an und das, was die Schüler wollen. Bei uns wollen sie noch.
    Verzierte Räume: Die Bio-/Chemie-Räume habe ich so empfunden. Poster an der Wand, Periodensystem., ausgestopfte Tiere, da gab es überall etwas zu sehen. Prunkvolles allerdings nicht.

    • misswirtschaft schreibt:

      ja, wir feiern im jahreskreis auch alle möglichen gottesdienste …
      was die räumlichkeiten anbelangt: für die naturwissenschaftlen gibt es ja meistens (wie auch bei uns) einen eigenen raum, den man sich entsprechend adaptieren kann. ich wünschte mir das ebenso für sprachen, geisteswissenschaften bzw. wirtschaftswissenschaften :) kommt auch dem prinzip “die lehrerin als gastgeberin” am nächsten. ist eine organisatorische herausforderung, funktioniert aber an einigen schulen prächtig.

  3. Ivo schreibt:

    Verstehe ich das richtig, dass bei euch die Gottesdienste in der Schule stattfinden? Wir gehen immer mit der gesamten Schülerschaft — bis auf Ausnahmen — ins Stadtmünster, wo dann ein ökumenischer Wortgottesdienst stattfindet, der von den Kollegen konzipiert und von den Schülern (mit) ausgeführt wird.

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